Hospizarbeit und die Haltung zum assistierten Suizid

Konsequenzen aus der gesetzlichen Entscheidung des Bundestages am 6. November 2015

Seit Beginn der Debatte zur „Sterbehilfe“, konkreter zum Umgang mit dem assistieren Suizid wurde dieses Thema in den Medien und in vielen Gremien, auch im privaten Umfeld mehr diskutiert als zuvor. Die Dachverbände der Hospizbewegung haben sich dazu geäußert und inhaltliche Unterstützung für die Praktiker vor Ort angeboten.

 

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) hat sich eindeutig für die Regelung ausgesprochen, die dem Gesetzentwurf Brand/Griese zugrunde liegt, also der Version, die am 6. November mit sehr großer Mehrheit vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde und nun Gesetzesform erhalten hat.

 

Haupttenor des Gesetzes ist die Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Suizidassistenz und die Straffreiheit im Einzelfall bei Hilfe beim Suizid durch Angehörige und nahestehende Personen.

 

Es wird sich in der Praxis erweisen müssen, wo die Abgrenzung zwischen geschäftsmäßiger Assistenz und dem Einzelfall liegt. Klar ist aber, dass die geschäftsmäßige Assistenz nicht an finanzielle Leistungen gebunden ist. Insofern schließt sich auch für ehrenamtlich tätige Einrichtungen wie z.B. Hospizvereine schon rechtlich völlig aus, Hilfe zum Suizid anzubieten, da es sich bei der Tätigkeit niemals um Einzelfälle handelt.

 

Daneben haben die Dachverbände immer wieder dafür plädiert, die Konditionen der Hospiz- und Palliativbehandlung bundesweit zu verbessern, um damit vielen Menschen die Not zu nehmen, über Suizid nachdenken zu müssen. Sie fordern dies durchaus mit dem Wissen, dass die Palliativmedizin und die Hospizbetreuung nicht in der Lage sind, jedes Leid zu nehmen und sämtlichen Ängsten der Betroffenen etwas entgegenzusetzen.

Diesem Anliegen der Hospizbewegung ist das am 5. November beschlossene Hospiz- und Palliativgesetz entgegengekommen. Das Gesetz verbessert die Konditionen der ambulanten und stationären Hospizbetreuung und definiert die Notwendigkeit der flächendeckenden Ausweitung des Angebotes von Hospiz- und Palliativberatung und Begleitung.

 

Mit diesen Prämissen muss die Hospizbewegung eine eindeutige Haltung zu der Frage des assistierten Suizids entwickeln. Hier ist jeder Verein, jede Einrichtung gefragt, sich dazu Gedanken zu machen.

 

Im Bereich der ehrenamtlichen Hospizarbeit ist zunehmend zu erwarten, dass die Sterbebegleiter mit Wünschen der Betroffenen konfrontiert werden, die über die Hospiz-Begleitung hinausgehen können, etwa die Bitte um praktische Unterstützung beim Suizid oder um Begleitung in die Schweiz. Es ist also erforderlich, den Ehrenamtlichen seitens des Trägers klare Richtlinien an die Hand zu geben, wie im Sinne des Vereins damit umzugehen ist.

 

Aus diesen Gründen hat sich der Vorstand des Hospiz-Vereins Bad Pyrmont gemeinsam mit den Koordinatorinnen mit dieser Frage beschäftigt.

 

In der ausführlichen Diskussion zu dem Thema herrschte Eindeutigkeit dahingehend, dass sich die Unterstützung beim Suizid in jedem Einzelfall nicht mit den Grundsätzen der Hospizbewegung, auch des hiesigen Vereins vereinbaren lässt, also grundsätzlich abgelehnt wird.

 

Um diese Haltung deutlich zu machen, wird sie sowohl auf der Homepage des Vereins veröffentlicht als auch in die Vereinbarung, die zwischen Verein und dem einzelnen Ehrenamtlichen getroffen wird, aufgenommen.

 

Wichtig ist es für die Verantwortlichen des Vereins, von derartigen Anliegen in den Begleitungen zu wissen, darum ist es in jedem Fall erforderlich, dass der betroffene Ehrenamtliche die Koordinatorinnen über den Wunsch, der an ihn herangetragen worden ist, informiert.

 

Die Koordinatorinnen werden dieses Anliegen dokumentieren. Abzuklären ist in der gemeinsamen Beratung mit allen an dem Fall Beteiligten, ob dieser Wunsch in Unkenntnis aller möglichen Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen entstanden ist und ggf. mit weitergehenden Maßnahmen eine Haltungsänderung erreicht werden kann. Sollte der Wunsch des Betroffenen dessen ausschließliches Anliegen sein, ist damit eine weitergehende hospizliche Begleitung nicht mehr möglich und der Einsatz ist zu beenden.

 

Den Verantwortlichen des Vereins ist allerdings durchaus bewusst, dass diese (hospizliche) Vereinshaltung im Einzelfall durchaus mit der Einschätzung des/der betroffenen Ehrenamtlichen kollidieren kann. Angesichts der Tatsache, dass es Leidenszustände gibt, die mit medizinischen Möglichkeiten nicht oder nicht ausreichend zu lindern sind, kann die Hospizbegleitung unter Umständen nicht den Bedürfnissen des Betroffenen entsprechen. Hat sich dann zum Beispiel durch eine lange Begleitung eine persönliche Beziehung zwischen dem Sterbenden und dem Begleiter entwickelt, ist es möglich, dass der Ehrenamtliche dem Wunsch des Sterbenden nachkommen möchte.

Er kann dies allerdings nur als Privatperson, nicht in der Funktion als ehrenamtlicher Sterbebegleiter des Hospiz-Vereins, tun.

 

Die Koordinatorinnen werden die Ehrenamtlichen in dieser Phase weiterhin beraten und, sofern erforderlich, auch Unterstützung bei weitergehender Hilfe bieten, etwa Kontakt zu einem/einer Supervisor/in herstellen. Damit verbunden ist nicht automatisch eine Kostenübernahme des Vereins für die Supervision; diese Frage ist im Einzelfall zu entscheiden.

 

Inwieweit der Ehrenamtliche, der sich zur Hilfe beim Suizid entschließt, anschließend weiterhin für den Hospiz-Verein als Sterbebegleiter tätig sein kann, ist eine Einzelfallentscheidung.

 

Als Verein werden wir mit dem Begleitenden das vertrauensvolle Gespräch zu führen haben, um seine weitere Mitarbeit zu klären. Immerhin hat sich dieser Mensch für die Hospizarbeit entschieden, einen Kurs besucht und sich unter Berücksichtigung des Anliegens seines Klienten mit fundamentalen Fragen auseinander gesetzt. Unsere Sorge und Fürsorge gilt auch und ganz besonders unseren ehrenamtlich Mitarbeitenden, die wir weder stigmatisieren noch ausgrenzen wollen und dürfen.

 

Für den Vorstand

Annette Kleine-Gödde

1.Vorsitzende

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