Traurige Schicksale und rührende Geschichte

Dr. Annelie Keil redet über Tod, Trauer und Abschied – und bringt das Auditorium trotzdem zum Lachen

Dr. Annelie Keil hielt im Quäkerhaus einen Vortrag mit dem Thema „Über das Sterben reden und den Abschied lernen – von Anfang an und bis zuletzt“

BAD PYRMONT. Sie werde es erst einmal ohne Mikrofon versuchen, sagt die Referentin, lässt den Blick über das nicht mehr ganz junge Publikum schweifen und fährt fort: „Aber das hängt natürlich auch vom Grad Ihrer Schwerhörigkeit ab“.

 

Und weil sie das mit einem unterdrückten Glucksen in der Stimme sagt, weiß das Auditorium auch schon nach dem ersten Satz, was es an diesem Abend zu erwarten hat, an dem Dr. Annelie Keil Gastrednerin des örtlichen Hospiz-Vereins ist, der in diesem Jahr sein Silberjubiläum feiert.

Die Sozial-, Geistes- und Gesundheitswissenschaftlerin, Autorin diverser Bücher sowie emeritierte Professorin der Universität Bremen wurde schon von ihren Studenten wegen ihres hintergründigen Humors und ihres ausgeprägten Einfühlungsvermögens hoch geschätzt. Und sie ist auch an diesem Abend bedingungslos bereit, davon viel an die Menschen im Pyrmonter Quäkerhaus weiterzugeben.

Ihr Thema lautet „Über das Sterben reden und den Abschied lernen – von Anfang an und bis zuletzt“. Und so erzählt sie aus ihrem eigenen Leben, dem eines „biologischen Überraschungseis“, das ungefragt in dieses Leben gestellt wird, berichtet von der 1936 Geborenen, die Krieg und Flucht er- und überlebt hat und heute, trotz Herzinfarkt, drei Krebs- und allerlei weiterer Erkrankungen „weiß, dass ich dem Tode nie näher war als in meiner Kindheit“.

 

Dann kommt gleich wieder so ein Satz, der das Publikum zum Lachen bringt: „Und jetzt gehöre ich zur demografischen Welle, die heute Abend dement auf Sie zurollt.“ Aber auch diese Zeit verlange vom Menschen, den Abschied leben zu lernen, „den Abschied von jener Gesundheit, die man nicht mehr hat“. Andererseits hält sie auch wieder „so gar nichts von diesem ganzen Gesundheitswahn – und empfiehlt trotzdem: „Essen sie ruhig jeden Tag drei Sorten Obst und viel frisches Gemüse.“ Noch ehe man überhaupt den Gedanken zu Ende denken kann, wie sie das nun wohl wieder meint, gibt sie schon selbst die Antwort: „Ja, Sie leben dann gesund, aber trotzdem wissen Sie niemals, wie, wo, warum und vor allem wann Sie sterben werden.“

 

Und dann erzählt sie, da sie ihre Zuhörerschaft ja bereits zu Beginn ihres Vortrags zu einer Reise eingeladen hatte, „in der Freude und Trauer gleichermaßen eine Rolle spielen“, von ihrer eigenen Hospizarbeit, von den Menschen und Schicksalen, denen sie dabei begegnet.

 

Sie berichtetvon jenem, gerade einmal fünfjährigen Jungen, der unheilbar an Leukämie erkrankt ist und sehr genau weiß, dass er sterben muss. Von seiner Lieblingspflegerin erbittet er sich kleine Blumenbilder. Sie bringt ihm einen Satz Blumenpostkarten und fragt den Jungen, was er denn damit wolle. „Wenn ich tot bin“, antwortet das Kind, „werde ich auf der Himmelswiese einen dicken Strauß Blumen für Dich pflücken und damit auf Dich warten.“ Denn im Himmel, da ist sich der kleine Junge ganz sicher, können Blumen ja nicht verwelken. Gerührt von so viel Zuneigung, fragt die Pflegerin: „Und Deine Mama, bekommt die auch Blumen?“ „Ja klar“, antwortet der Fünfjährige, „aber das ist ein Geheimnis, denn wenn ich Mama das jetzt schon sage, muss sie nur gleich wieder weinen“. Dr. Annelie Keil zieht daraus die Erkenntnis: „Schlüsselkompetenz: Empathie“. Das hat dann doch gleich auch wieder etwas Tröstliches. Und mit eben diesem Gefühl entlässt sie ihr Publikum in eine laue Frühsommernacht.

 

Autor: Burkhard Reimer, veröffentlicht 23.6.2019

 

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