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Zwei Sterbebegleiterinnen sprechen über ihre Hilfe auf dem letzten Weg

Wollen für andere da sein: (von links) Birgit Fiene und Petra Juhre sind seit zwei Jahren im Hospizverein aktiv. Sie begleiten Sterbende in den letzten Stunden ihres Lebens. (© Iris Liebig)

Schieder-Schwalenberg. Birgit Fiene aus Lothe und Petra Juhre aus Siekholz sind seit zwei Jahren ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen beim ambulanten Hospizverein in Bad Pyrmont. Für Sterbende da zu sein ist beiden wichtig. Mit der LZ sprechen sie über ihre Motivation und Aufgabe – und ihren Umgang mit dem Tod.

 

Was hat Sie dazu motiviert, Sterbebegleiterinnen zu werden?

 

Birgit Fiene: Die Themen Tod und Sterben haben mich schon immer interessiert. Ich habe darüber eine Examensarbeit geschrieben. Aber seitdem hat sich so viel entwickelt in der Hospiz- und der Palliativmedizin. Ich wollte meinen Wissensstand verbessern. Außerdem sind das ganz besondere Momente, die man im Alltag nur wenig bis gar nicht hat. Ich finde es schön dazu beizutragen, dass es bei aller Trauer und Traurigkeit ein friedvoller Tod wird – für alle Beteiligten.

 

Petra Juhre: Ich habe einfach gemerkt, dass es eine schöne Sache ist, für jemanden, der Hilfe braucht, da zu sein. Es ist ein schönes Gefühl, dass die Sterbenden sich freuen, wenn man da ist. Man bekommt sehr viel zurück. Es ist klar, dass man mit Menschen arbeitet, die vielleicht morgen nicht mehr da sind. Aber man hat noch etwas für die Menschen getan, so dass sie friedlich gehen können.

 

Wie sind Sie Begleiterinnen geworden?

 

Fiene: Ich habe in Bad Pyrmont gearbeitet und kannte daher den Hospizverein schon länger. Damals hatte ich aber noch nicht so viel Zeit, weil die Kinder noch klein waren. 2015 habe ich dann den Kursus belegt.

 

Juhre: Ich bin durch eine Arbeitskollegin zum ambulanten Hospizverein gekommen. Mich hat die Sterbebegleitung schon immer interessiert – auch durch meinen Beruf als Altenpflegerin, wo wir auch Sterbende begleiten. Da habe ich gemerkt, dass das mein Ding ist, und ich habe dann den Kursus belegt.

 

Was für ein Kursus ist das?

 

Fiene: Das ist ein Sterbebegleitkursus. Der ist erst einmal der Grundeinstieg und umfasst einhundert theoretische Stunden und eine Begleitung – also einen praktischen Teil. Zuvor nimmt man an einem kleinen Bewerbungsverfahren teil. Es wird dann geschaut, ob die Person geeignet ist. Sie sollte Interesse an Menschen haben und gut reflektieren können. Zum Beispiel würde niemand genommen, der selber in einer Trauerphase ist.

 

Welche Aufgaben hat man als Sterbebegleiterin?

 

Fiene: Beim ambulanten Dienst ist es meist so, dass sich Angehörige beim Hospizverein melden und von der Situation erzählen. Dann wird geschaut, wer von den Begleitern zu der Familie passt. Vor Ort schaut man, was gebraucht wird.

 

Wie läuft das dann ab?

 

Fiene: Bei mir war es so, dass die Angehörigen einfach mal jemanden benötigten, um sich einiges von der Seele zu reden. Mit einem Fremden geht das manchmal besser, als mit einem Angehörigen. Bei dem Sterbenden ist man einfach da, hört zu oder legt ihm die Hand hin. Er kann sie dann nehmen wenn er möchte.

 

Juhre: Ich habe auch schon Sterbebegleitung Zuhause gemacht, bin aber mittlerweile im stationären Hospiz tätig. Ich habe viel direkten Bezug zu den Sterbenden, weniger zu den Angehörigen. Ich reiche dann mal etwas zu trinken, säubere den Mund oder halte wirklich nur die Hand. Manchmal schiebe ich den Menschen im Rollstuhl durch den Garten, manchmal höre ich aber auch einfach nur zu.

 

Wie viel Zeit wenden Sie für die Sterbebegleitung auf?

 

Fiene: Das ist unterschiedlich. Bei mir ist es individuell. Ich mache eher kurze Begleitungen, da ich zeitlich noch eingeschränkt bin.

 

Juhre: Ich bin alle zwei Wochen donnerstags für vier Stunden im stationären Hospiz in Bad Pyrmont.

 

Wie gehen Sie persönlich mit den Eindrücken um?

 

Fiene: Wir haben alle vier Wochen Supervisionen. Das ist eine Gruppe, in der wir über das Erlebte sprechen können. Aber es ist schon schwerer, wenn man einen sehr jungen Menschen oder Gleichaltrige begleitet als jemanden, bei dem man denkt, der hat sein Leben gelebt. Da fließt auch mal eine Träne. Es ist dann gut, in den Alltag zurückzukehren.

 

Juhre: Die Begleitung im Hospiz ist oft eine kurze intensive Sache. Manchmal sieht man denjenigen wieder, manchmal eben leider nicht. Die Menschen sind oft sehr krank. Vieles verarbeitet man in der Supervision, das ist einfach ein Muss. Ich habe da noch nie gefehlt.

 

von Iris Liebig 

 

URL: http://www.lz.de/lippe/schieder_schwalenberg/21882607_Zwei-ehrenamtliche-Sterbebegleiterinnen-im-Interview.html

 

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Donnerstag den 22.06.17, Lippische Landeszeitung

Neue Aufgaben in der Sterbe- und Trauerbegleitung / Kurs zur Schulung von Sterbebegleitern im September

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