Das Haus „Mutter Anselma“ im Friedensthal soll Standort des stationären Hospizes bleiben.ti

Hospiz-Zukunft scheint gesichert

Neu gegründete GmbH bemüht sich um Weiterführung im Friedensthaler Haus „Mutter Anselma“

 

Bad Pyrmont. Die Zukunft des Hospizes im Friedensthal scheint gesichert. Alfred Karl Walter, Geschäftsführer des Bathildiskrankenhauses, drückte deutlich seine Freude und Zufriedenheit darüber aus, dass sich die Weiterführung unter der Leitung einer inzwischen neu im Handelsregister eingetragenen GmbH ermöglichen lassen wird. „Dazu haben sich das Agaplesion, die Stiftung Bethesda und der örtliche Hospizverein als Partner zusammengeschlossen. Uns allen ist es ein wichtiges Anliegen, auf die besondere Kostbarkeit der letzten Lebensphase hinzuweisen und uns darum zu bemühen, dass diese in Würde gelebt werden kann“, hebt Walter hervor.

 

Zu Geschäftsführern der Hospiz-GmbH wurden Walter und Krankenhausseelsorger Bernhard Jess berufen, während der amtierende Kassenwart des Hospizvereins, Gert Claus, zum Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung und Pyrmonts Kämmerer Eberhard Weber zu seinem Stellvertreter gewählt wurden. Der Hospizverein hatte im vergangenen Jahr sein 20-jähriges Bestehen gefeiert und ist nach Meinung von Pastor Jess aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Ergänzend hob Regina Stelter, verantwortliche Koordinatorin der im Verein ehrenamtlich Wirkenden, hervor, dass deren Arbeit nicht nur ein Segen für die Todkranken und deren Angehörige sei. „Unsere Ehrenamtlichen erfahren auch für sich selbst eine Wertschätzung über das Gefühl, gebraucht zu werden und sich hilfreich einbringen zu können. Die glücklichen und dankbaren Reaktionen aus dem Kreis der Betreuten wirken sehr motivierend“, weiß Stelter.

 

Über den ambulanten Einsatz hinaus böte eine Mitarbeit im stationären Hospiz allerdings auch Interessierten eine Wirkungsmöglichkeit, selbst wenn man sich eine sehr eng am Patienten angelehnte Betreuung nicht zutraue. „Allein da zu sein, Gesprächspartner oder Vorlesender sein zu können – es gibt eine Menge Tätigkeiten und wir sind über jede Unterstützung dankbar“, ergänzt die Koordinatorin.

Über das persönliche Engagement hinaus, das wissen auch Walter und Claus, bedürfe es jedoch auch finanzieller Unterstützung, denn allein über die Pflegesätze ließe sich ein Hospiz nicht dauerhaft halten. So, wie die Ehrenamtlichen sich sicher sind, dass ihre Arbeit einfach auch zu einer humanitären Gesellschaft gehöre, bedürfe es auch Menschen, die diese besondere Arbeit unterstützen. Konkret bedeute es bei den meisten Hospizen, dass 20 bis 30 Prozent des Etats durch Spenden gedeckt werden müssen.

 

Aktuell, so Walter, werde noch eine Pflegedienstleitung gesucht, denn die bisherige des Thuiner Ordens scheide aus. Hingegen werde das gesamte Pflege-Team übernommen. Auch sei derzeit noch keine räumliche Veränderung geplant, sodass das Hospiz im Haus „Mutter Anselma“ bleibt. Auch die palliative Station im Bathildiskrankenhaus bleibe von der Weiterführung des Hospizes unberührt und werde weiterhin unabhängig von der Hospizeinrichtung betrieben.

 

Für Montag, 16. November, 19.30 Uhr, ist eine Infoveranstaltung im Pfarrheim St. Georg geplant. Darüber hinaus können sich Interessierte im Internet unter www.bathildis.de/Hospiz.7903.0.html informieren.

 

VON KLAUS TITZE

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Endstation

Theaterstück erzählt vom Leben, vom Tod und vom Abschied

 

Bad Pyrmont. Das menschliche Leben, vom ersten Erscheinen im Erdendasein bis zur endgültigen Endstation, dem Exitus, lässt sich mit nur einem Buchstaben des Alphabets an den Wortanfängen schildern: Eine interessante Möglichkeit, das Thema Leben, Tod und Abschied zu erzählen.

 

Annette Schramm, Schauspielerin und Autorin, begann so ihr Programm zum Welthospiztag auf Einladung des Hospizvereins Bad Pyrmont. Als einzige Darstellerin gestaltete sie in der katholischen St. Georgkirche einen Abend, der vor allem durch Wahrhaftigkeit und Empathie beeindruckte. In ihrem selbst verfassten Theaterstück „Die Unsterblichkeit des Sandkuchens“ schlüpfte Annette Schramm in die Haut von sieben Menschen, die angesichts der Todesnähe auf ihr Leben zurückblicken und unterschiedlich auf das Ende reagieren.

 

Da ist der Kapitän, der noch einmal das Licht am Horizont des Meeres sehen möchte, und der erfolgreiche Fußballer, der nach vielen tollen Toren seine letzte Reise antritt. Auf ein Wiedersehen mit ihrer Mutter im Jenseits hofft die alte Dame, der niemand sagen kann, wie das Sterben eigentlich geht. Die Krebskranke, die immer sportlich durch ihre Leben joggte, wünscht sich, wenigstens bis zum Frühjahr bei ihrer Familie sein zu dürfen. „Warum gerade ich?“, fragt der Geschäftsmann, der nun wieder das Beten lernt, während die Lebedame spürt, dass Schale für Schale der Äußerlichkeiten von ihr abfällt. „Und ich weiß nicht, was übrig bleibt, denn mir fehlt die Sprache des Herzens“.Doch das Leben geht weiter, und den leckeren Sandkuchen, auf den die tüchtige, jetzt todkranke Hausfrau immer so stolz war, wird nun ihre Enkelin Franziska backen, und die wichtigste Zutat wird die Liebe sein – in der Erinnerung an Oma Grete.

 

Auch wenn dieses Weiterleben, dieses Nachspiel in dem Stück etwas zu lang gerät, versteht es die Schauspielerin, die verschiedenen Phasen der Trauer und den Neubeginn überzeugend zu interpretieren. Weniger durch schauspielerische Brillanz als durch sensibles Hineinhorchen in die Gefühlswelt der Menschen beeindruckte dieser Theaterabend, der mit wenigen Requisiten (Gongschläge, Lichtkugel, leise Geräusche) auch in der äußerlichen Gestaltung überzeugte.

 

Von Karin Heininger

Pyrmonter Nachrichten, vom 13.10.2015.pn[...]
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Mut tut gut

Warum sich ehrenamtliche Sterbebegleiter vom Hospiz-Verein haben ausbilden lassen

Bad Pyrmont. „Meine Horrorvorstellung beim Tabuthema Sterben ist, selber am Lebensende völlig allein zu sein. Ich möchte Menschen am Ende ihres Lebens gerne beistehen, wenn sie es möchten.“ So beschreibt Christel Kappelhoff aus Lügde ihre Motivation, warum sie sich vom Hospizverein als ehrenamtliche Sterbebegleiterin hat ausbilden lassen. Das haben mit ihr in diesem Jahr 14 weitere Männer und Frauen getan.

 

Seit Februar haben sie sich einmal wöchentlich getroffen, etwa 100 Unterrichtsstunden mit verschiedenen Dozenten erhalten und einen Praxisblock absolviert. Die Motive der Teilnehmer sind unterschiedlich. Gert Klaus, erst seit März Kassenwart des Vereins, hat sich zur Teilnahme entschlossen, weil er es für sehr wichtig hält, zu wissen, was Hospizhelferinnen und -helfer konkret tun und welche Kenntnisse notwendig sind. „Mich interessierte schon vor meiner Wahl die Hospizarbeit. Außerdem sollte die oft gehörte Aussage ‚Hospizarbeit ist weiblich‘ nicht unwidersprochen bleiben. In der Hospizarbeit werden auch Männer gebraucht“, betont Klaus.

 

Nach dem Besuch einer hospizlichen Einrichtung in der Region und einer Führung in einem Krematorium wurden bei der abschließenden Feierstunde im Altenheim Bethanien die Zertifikate überreicht. Die Koordinatorinnen Regina Stelter und Jutta Jess führten mit jedem Teilnehmer ein abschließendes Gespräch, in dem dann entschieden wurde, ob der jeweilige Kursteilnehmer in der ehrenamtlichen Hospizarbeit tätig werden möchte.

 

„Seit meiner Teilnahme am Kurs spricht meine Familie und auch mein Freundeskreis mit mir mehr über dieses Thema“, berichtet Dorothea Koch. Sie meint, dass sie alleine damit schon viel erreicht habe. „Der Hospiz-Verein hat das möglich gemacht, und ich darf dabei sein. Dafür bin ich dankbar.“ Birgit Fine ergänzt: „Ich als Krankenschwester habe noch mal die vielen unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema Sterben, Tod und Trauer vor Augen. Außerdem fehlte mir schon immer der offene Austausch mit Kollegen oder Bekannten über das Thema. Das war und ist immer schwierig. Im Kurs konnte ich offen und ehrlich über diese Dinge sprechen. Das tat mir gut.“

 

Auch wenn Teilnehmer anfänglich unsicher waren, ob die Kursteilnahme gefühlsmäßig eine Überforderung sein könnte, waren sich alle am Schluss einig, dass die Inhalte und der Kurs an sich sie weitergebracht haben und sie selbst sich persönlich weiterentwickelt haben. „Frei nach dem Motto: Mut tut gut, sind alle Teilnehmer froh, diesen Kurs besucht zu haben“, betont Regine Stelter.

 

Der Hospiz-Verein Bad Pyrmont bietet in regelmäßigen Abständen Schulungen an mit dem Ziel, sich mit Fragen über Sterben und Tod auseinanderzusetzen, Informationen und Hintergrundwissen zum Thema zu erhalten und eventuell als ehrenamtlicher Sterbebegleiter im Verein tätig zu werden.

 

„Die Kurse entsprechen in Inhalt und Umfang den Qualitätskriterien des deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes“, erläutert Jutta Jess. Der Verein dürfe nur Sterbebegleiter mit einer solchen Schulung einsetzen und sei auch weiterhin auf interessierte Menschen angewiesen. Denn nur so sei die ehrenamtliche Sterbebegleitung in Bad Pyrmont, Lügde und in der Umgebung sicherzustellen.

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Hospiz-Verein wird Juniorpartner

„Agaplesion Bethesda Hospiz“ zieht an die Berliner Straße / Krankenhaus investiert zwei Millionen Euro

Bad Pyrmont. Die Erleichterung war den Mitgliedern des Hospizvereins anzusehen, als die Entscheidung gefallen war und die 66 Stimmberechtigten nach sehr emotionaler Diskussion einstimmig für eine Satzungsänderung votierten und damit eine wichtige Voraussetzung dafür schufen, dass sich der Verein – sozusagen als Juniorpartner – an einer neuen Trägergesellschaft für ein Hospiz in Bad Pyrmont beteiligen kann. Es soll „Agaplesion Bethesda Hospiz“ heißen.

Der Hospizverein soll 5 Prozent an der gemeinnützigen Gesellschaft halten, das Agaplesion Bathildiskrankenhaus 60 Prozent und die Stiftung Bethesda 35 Prozent. Die Gesellschaft wird ab dem 1. Januar 2016 die Räume des Hospizes im Friedensthal von den Thuiner Franziskanerinnen mieten. Zum 1. Juli soll das Hospiz dann in das ehemalige Schwesternhaus in der Berliner Straße umziehen. Für 2 Millionen Euro will das Krankenhaus das Gebäude dafür herrichten. Die Franziskanerinnen werden das Gästehaus zunächst weiterführen, werden Bad Pyrmont auf längere Sicht wohl verlassen müssen.

 

Doch die Nähe zum Krankenhaus machte einigen Mitgliedern Sorgen. Sie äußerten die Besorgnis, dass der Hospizgast zum Kunden des Krankenhauses werden und sich bei Interessenkonflikten die Verlegung verzögern könnte. Im Hospiz kann – anders als im Krankenhaus – der Gast weiterhin vom Hausarzt behandelt werden. Der Knackpunkt sind für viele Mitglieder die intensivmedizinischen Maßnahmen, die manche Patienten für sich ablehnen oder in Anspruch nehmen können. Auch die Frage, ob sich der Hospiz-Verein mit seiner kleinen Einlage von nur 2500 Euro gegenüber den beiden großen Partnern behaupten könne, wenn Krankenhaus und Hospiz quasi in einer Hand seien, war ein Thema. Krankenhausseelsorger Bernhard Jess betonte, dass die Mehrheitsverhältnisse nicht gleichbedeutend mit den Einflussmöglichkeiten seien. Krankenhaus und Hospiz hätten die Gesellschaft auch alleine gründen können, wollten den Verein aber unbedingt mit im Boot haben. „Die haben Erfahrungen, die wir nicht haben“, so Jess. „Und um Geld zu scheffeln, würde man ohnehin kein Hospiz führen.“

Der Hospiz-Verein wird auf jeden Fall weiterhin Sterbende und Schwerstkranke zu Hause betreuen, und zwar bei Bedarf auch über viele Jahre, betonte die Vorsitzende Annette Kleine-Gödde. Der Vorstand hatte die Beteiligung an der Gesellschaft empfohlen. „Wir wollen an Veränderungen beteiligt sein, aktuelle Informationen erhalten, Verantwortung übernehmen und mitgestalten“, beschrieb sie die Hauptgründe. Das unterstützen mit der einstimmigen Abstimmung alle Vereinsmitglieder.

 

„Ich bin traurig, auch wenn ein Neuanfang eine Chance ist“, kommentierte Schwester Uschi Pastrik, die das Hospiz mit aufgebaut hat, den Beschluss. Ihre Kollegin Iris Möhring zeigte sich überzeugt, dass der Verein das Hospiz gut vertreten werde. Alle Mitarbeiter sollen übernommen werden.

Auch der Stadt Bad Pyrmont ist die Einrichtung wichtig. Das machte die Anwesenheit des stellvertretenden Bürgermeisters Udo Nacke deutlich, der davon sprach, dass das Hospiz ein großer Segen sei und kompetente Arbeit leiste.

 

VON CLAUDIA GUENTHER

Zukünftige Hospizpartner: Alfred Karl Walter (li.) und Bernhard Jess für das Krankenhaus, Pastorin Bettina Burkhardt (2. v. li.) für die Stiftung Bethesda und Annette Kleine-Gödde und Gert Klaus (re.) für den Hospiz-Verein.
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„Bad Pyrmont ohne Hospiz geht gar nicht“

Verein macht seinen Standpunkt zur geplanten Veräußerung klar / Unverzichtbarer Begleiter für Altenheime

Der neu formierte Vorstand. Gert Klaus, Ilona Mack, Makrina Krüger und Herbert Grondmann. Es fehlt die in Abwesenheit wiedergewählte Vorsitzende Annette Kleine-Gödde.

Bad Pyrmont. Dass der Hospizverein Bad Pyrmont ein unverzichtbarer Begleiter für die Altenheime geworden und – nicht zuletzt durch die Feier des 20-jährigen Bestehens im vergangenen Jahr – auch im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen ist, geht aus den Bilanzen der hauptamt-lichen Koordinatorinnen des Vereins hervor. So kamen im vergangenen Jahr 36 der insgesamt 94 Anfragen nach Sterbebegleitung aus den Altenheimen und 38 aus dem häuslichen Bereich, einschließlich des Betreuten Wohnens.

 

22 Mal wurde darüber hinaus aus dem Krankenhaus um eine Begleitung durch die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen des Vereins nachgesucht. Neben 16 Anfragen von Mitarbeitern der Pflegedienste und 26 vom Team der Speziellen Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) gingen sieben Anrufe von Angehörigen und drei von Patienten selbst ein. Fünf Mal vermittelte ein Hausarzt den Wunsch oder Bedarf nach Begleitung eines Patienten. „Da wünschen wir uns noch mehr Kooperation“, sagte Koordinatorin Regina Stelter bei der Hauptversammlung des Vereins im katholischen Pfarrheim.

 

74 der 94 angefragten Begleitungen wurden abgeschlossen, wobei die Dauer der Einsätze in sieben Fällen länger als ein Jahr dauerte, in fünf Fällen ein halbes Jahr, in sieben Fällen ein bis zwei Monate. 13-mal waren die Begleiter unter einer Woche im Einsatz, zehn Mal zwei Tage lang und 28-mal nur einen Tag. Im Wesentlichen seien die Zahlen so geblieben wie im Jahr zuvor, sagte Stelter. Zurzeit laufe vom Hospizverein wieder ein neuer Kurs zur Ausbildung von Sterbebegleitern, an dem 16 Personen teilnehmen. „Dabei ist es nicht ausschlaggebend, ob die Teilnehmer nach Abschluss für uns oder anderswo im Einsatz sind“, unterstrich die Koordinatorin, die allen Ehrenamtlichen für ihr Engagement dankte. Neben der Sterbebegleitung gehören dazu der Arbeitskreis, Trauer-Gesprächskreis, Kinderhospiz, Hospiz-Frühstück und der Kreis „Verwaiste Eltern“.

 

In Vertretung der abwesenden Vorsitzenden Annette Kleine-Gödde, die sich zurzeit einer Reha außerhalb Bad Pyrmonts unterzieht, berichtete der zweite Vorsitzende Herbert Grondmann über den Stand der geplanten Veräußerung der stationären Hospiz-Einrichtung Mutter Anselma. Es gebe jedoch keine neue Entwicklung. „Da das Erholungsheim von den Thuiner Franziskanerinnen aufgegeben wird, ist auch die Zukunft des Hospizes fraglich. Aber der Verein hat seinen Standpunkt klargemacht: Bad Pyrmont ohne stationäres Hospiz, das geht gar nicht.“

 

Grondmann unterstrich die Bedeutung der Palliativ-Medizin im Sinne einer ganzheitlichen, auch psychosozialen Begleitung. Der Mitgliederstand des Hospizvereins liege derzeit bei 263 Privatpersonen und 28 Institutionen. Mit den Schulen gebe es eine gute Kooperation, doch es sei schwierig, jüngere Aktive für einen ehrenamtlichen Einsatz über einen langen Zeitraum zu gewinnen.

 

Da Annette Kleine-Gödde ihre Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur für das Amt der ersten Vorsitzenden schriftlich bekundet hatte, stand ihrer Wiederwahl nichts im Wege. Ihr Stellvertreter wurde erneut Herbert Grondmann, und eine Wiederwahl gab es auch für Schriftführerin Makrina Krüger und Beisitzerin Ilona Mack. Rudolf Anhamm stellte nach zwölf Jahren sein Amt als Kassenwart zur Verfügung, zu seinem Nachfolger wurde Gert Klaus, amtierender Bürgermeister von Schieder, gewählt. 

 

VON KARIN HEININGER

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Eine Reise durch „ver-rückte Leben“

Elf unterschiedlichste Veranstaltungen, Ausstellungen und Mitmach-Projekte

Das Jahres-Projekt „Ver-rückte Leben“ soll den Teilnehmern der elf Veranstaltungen neue Blickwinkel öffnen: Nichts ist statisch, alles befindet sich in Bewegung und manches ist kurios, wie sie hier für ein Foto demonstrieren.cg

 

Bad Pyrmont. Was verbindet eine kopfstehende Frau mit einem Mann, der einen Schuhkarton in seinen Händen hält und diese wiederum mit einer Frau, die mit ihrem knallblauen Koffer durch die Straßen zieht? Sie alle befinden sich auf einer Projekt-Reise durch „Ver-rückte Leben“; beginnend mit der Auftaktveranstaltung am 29. Januar im Berufsförderungswerk ziehen sich die elf Veranstaltungen, Ausstellungen und Mitmachprojekte der Reihe bis in den Oktober 2015.

 

„Uns geht es dabei nicht darum, krankhaft wirr im Denken zu sein“, betont Stefanie Maltzahn, die das Projekt ins Leben rief. „Wir betrachten uns in Bewegung. So wie ein Stuhl verrückt werden kann, indem wir ihn von einer Seite zur anderen schieben. Und dann steht er woanders. Wenn das Leben plötzlich außergewöhnlich wird und in ganz anderen Bahnen verläuft als erwartet.“ Es gehe darum, Toleranz, Mitgefühl, Offenheit und andere Sichtweisen zuzulassen. Aber auch, um Zuversicht, Leichtigkeit und Geduld mit sich selbst und anderen zu lernen.

 

Im Mai letzten Jahres traf sich erstmals eine kleine bunte Gruppe im Sozialpädagogischen Zentrum. Die vergrößerte sich im Laufe der Monate deutlich und tagte in der Villa Winkelmann. Inzwischen sitzen nicht nur Einzelpersonen im Boot, sondern ebenso Theatergruppen, soziale Einrichtungen, Yoga-Liebhaber, das Schloss-Museum und Bürgermeister Klaus Blome übernahm die Schirmherrschaft.

 

29. Januar: Mit dem Kinofilm„Verrückt nach Paris“, in dem drei Behinderte auf eigene Faust in die Stadt ihrer Träume reisen, beginnt die Veranstaltungsreihe um 19 Uhr im BFW (Winzenbergstraße 43), Mitveranstalter ist das Sozialpädagogischen Zentrum.

 

4. Februar: Um 19 Uhr findet die Ausstellungseröffnung „Ein großes Herz für kleine (Löwen)herzen“im Museum im Schloss statt. Ausgestellt wird, in Zusammenarbeit mit dem Kinderhospiz Syke, eine außergewöhnliche Bildergalerie. 120 Prominente aus dem In- und Ausland, wie Yoko Ono, Götz George, Peter Maffay, Udo Lindenberg und der Dalai Lama malten Bilder für schwerkranke Kinder und Jugendliche, die vom 5. Februar bis zum 12. April täglich (außer montags) zwischen 10 und 17 Uhr angeschaut werden können.

 

7. Februar: Im Museum im Schloss findet von 11 bis 13 Uhr ein Einstieg, „Yoga – Verrückte (Körper)wahrnehmung“ statt, angeleitet von der Yogalehrerin Birgit Besand.

10. Februar: Zu dem Vortragsabend „Sehnsucht nach Normalität“ lädt um 19.30 Uhr federführend der Hospizverein (in Kooperation mit dem Kinderhospiz Syke) ins Museum ein.

 

26. März: Von 14.30 bis 17.30 Uhr heißt es im AIBP (Altenauplatz 4)„Kulturen verrücken. Deine Kultur – Meine Kultur“. Kinder stellen Kindern spielend ihre Kultur vor. Es soll auch gemeinsam gekocht und gegessen werden. Familien und Kinder können sich unter der Telefonnummer 05281/608297 bei Gülseren Aybay von der AIBP anmelden.

 

21. April bis 4. Mai: Interessierte können in der Kursana-Residenz in einem „ver-rücktenSchuhregal“ stöbern. In Gestalt von 50 Schuhkartons erzählen Senioren und Schüler der Herderschule Geschichten aus ihrem Leben. Wer sich an dieser inklusiven Mitmachaktion für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren beteiligen möchte, der kann sich im Museum unter Telefon 05281/606771 bei Dr. Dieter Alfter melden, einen Schuhkarton abholen und gestalten.

 

20. Juni: Auf der Schlossterrasse gibt es von 14 bis 18 Uhr einen „ver-rückten Spielegarten“ unter dem Motto „Irrungen und Wirrungen“. Der Verein „Kunterbunt“ gibt damit die Möglichkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

 

9. September: Das „Therapeutisches Kunstprojekt“ ist eine Idee aus der Tagesstätte „GeZeitEn“ für Menschen mit psychischer Erkrankung (Sozialpädagogisches Zentrum Hameln-Pyrmont). Die Ausstellung in der Wandelhalle zeigt Gewagtes, Gekonntes und Bewegtes.

 

29. September: Die Theatergruppe „Grenzenlos“ der Diakonie Himmelstür wird das Stück „Das himmlische Hotel“ um 16 Uhr in der Cafeteria der Einrichtung, Marienstraße 11, aufführen.

 

9. Oktober: Über„Die Unsterblichkeit des Sandkuchens“ wird ab 19.30 Uhr philosophiert. In dem Theaterstück von und mit Annette Schramm in der Pfarrkirche St. Georg, Bathildisstraße 14, geht es unter anderem um die Frage: Wann habe ich das Gefühl, wirklich zu leben? Federführend sind der Hospizverein und das Hospiz „Mutter Anselma“ Löwensen.

 

15. Oktober: Um 19.30 Uhr geht es in der Wandelhalle in einer Uraufführung des Stücks „Wechselwirkungen“ um „ver-rückte Wendungen“ beider Geschlechter in Pubertät und Wechseljahren, sagt Ulrike Vogelsang. Sie ist Ideengeberin für die Schauspieler Christine Gleiss und Heiko Fuhrmann.

 

Für Fragen oder Anregungen steht Stefanie Maltzahn unter der Telefonnummer 05281/ 95037 zur Verfügung, „denn die Endstation unserer Reise steht noch nicht fest, und auch der Ausbau der Haltestellen ist gut möglich“, meint sie.

 

VON CLAUDIA GUENTHER

 

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